Gerhart Hauptmann (15. November 1862 - 06. Juni 1946)

In Schlesien geboren zählt Gerhart Hauptmann zu den bedeutendsten Vertretern des Naturalismus. Sein umfangreiches Schaffen ausschließlich darauf zu beziehen, wäre indessen den Intentionen des Autors ebenso wenig gerecht wie der stilistischen Vielfalt seiner Dramen. Die Verbundenheit mit seiner schlesischen Heimat und die in seiner Jugend erfahrene wirtschaftliche Not bestimmen immer wieder seine Themen, Motive und Charaktere.

Nachdem er mit 16 Jahren die Realschule verlassen hat, beschäftigte er sich mit vielen unterschiedlichen Studien, ohne sich für die eine oder andere Richtung entscheiden zu können. Die Heirat mit einer Großkaufmannstochter enthebt ihn materieller Sorgen und sichert die Existenz eines freien Schriftstellers. 1889 führte die Uraufführung des sozialen Dramas „Vor Sonnenaufgang“ am Berliner Lessing-Theater zu einen handfesten Theaterskandal.

Seine Schaffenskraft leidet darunter nicht. Im Gegenteil: 1893 werden die Dramen „Die Weber“, „Der Biberpelz“ und „Hanneles Himmelfahrt“ innerhalb von zehn Monaten an drei Berliner Bühnen uraufgeführt. Bald zählt Gerhart Hauptmann zu den Etablierten, wird als Volksdichter gefeiert und erhält 1912 den Literatur-Nobelpreis, während im Kaiserreich von „Allerhöchster Stelle“ der Schiller-Preis verweigert wurde. 

Die Weimarer Republik hingegen feiert in Hauptmann den repräsentativen, weltoffenen Patrioten. Die Nationalsozialisten missbrauchen Namen und Werk zu Propagandazwecken.

Hauptmann bleibt in Deutschland, wendet sich aber in der Auseinandersetzung mit der griechischen Mythologie neuen Stoffen zu. In hohem Alter stirbt er in Agnetendorf im Riesengebirge, kurz nachdem er von den russischen Besatzungsbehörden aufgefordert worden war, sein Haus und seine Heimat zu verlassen.

Gerhart Hauptmanns Werk ist noch nach mehr als hundert Jahren auf den Theatern lebendig geblieben, und seine Figuren sind so lebendig wie ehedem. Es sind Überlebenskämpfer in einer sich überschlagenden Zeit, Menschen, die ihre Ängste und Hoffnungen, ihre Überforderung, ihre unerfüllten Träume mit sich herumschleppen, die laut die Schuld am eigenen Missglücken dem anderen aufbürden, die lieber austeilen als einstecken – Menschen der modernen Zeit eben!

Weitere Informationen zu Gerhart Hauptmann

 Einsame Menschen 

In einem Landhaus am Müggelsee, um 1890. Der junge Gelehrte Johannes Vockerat und seine Frau Käthe haben ihr erstes Kind bekommen. Käthe ist von Schwangerschaft und Geburt noch angegriffen und kränklich, während Johannes, reizbar und ungeduldig, mit dem philosophischen Werk nicht recht vorankommt, an dem er schreibt. In dieser Situation steht plötzlich eine Fremde vor ihrer Tür: die russische Studentin Anna Mahr, die auf der Durchreise nach Zürich Johannes‘ Freund, den Maler Braun, besuchen will. Johannes ist sofort hingerissen von der intelligenten, selbstbewussten jungen Frau und lädt sie ein, für ein paar Wochen bei ihm und seiner Familie zu leben. Er findet in Anna erstmals einen Menschen, der ihm intellektuell ebenbürtig ist, und zwischen beiden entsteht eine tiefe Verbundenheit, die alle anderen Familienmitglieder mit Sorge beobachten. Käthe leidet still und fühlt sich der klugen Anna hoffnungslos unterlegen, während die frommen Eltern Vockerat zunehmend moralische Bedenken äußern. Johannes und Anna gestehen einander ihre Liebe und erkennen, dass sie ihren Traum von einer freien, partnerschaftlichen Beziehung nicht leben können. Johannes muss Anna abreisen lassen, obwohl es ihm das Herz zerreißt. Als sie fort ist, rudert er allein hinaus auf den Müggelsee um zu sterben.

Der Konflikt, den Hauptmann hier schildert, spielte sich im Leben seines Bruders Carl ab, dessen Freundschaft zu einer jungen Polin die ganze Familie in Aufruhr brachte. In die Figur der Käthe Vockerat ist dagegen viel von Hauptmanns eigener Ehefrau, Marie Thienemann, eingegangen, obwohl seine Ehe zu dieser Zeit noch in keiner Weise gefährdet war.

Aufführungsrecht Verlag Felix Bloch Erben

Zusatzaufführung 24.02.2012, 19:30 Uhr

in Falkensee Kulturhaus J.R. Becher

Plakat und Pressetext

nachricht@kleines-theater-falkensee.de