„Verliebt! Zu Befehl!“ Premiere Das Kleine Theater Falkensee entfacht Trubel auf dem Heiratsmarkt
Falkenseer Schauspieler überzeugen mit russischer Satire und erfinden sich in schwieriger Stituation neu.

Von Marlies Schnaibel

FALKENSEE Ende gut, alles gut. Das traf am Freitagabend mehr noch auf das Kleine Theater Falkensee als auf das gezeigte Stück zu. Dessen Happyend war eines mit Widerhaken, der Autor Alexander N. Ostrowski hatte sein Stück als Satire auf kleinbürgerliches Spießertum geschrieben. Das war vor 150 Jahren. Nun hat das Kleine Theater Falkensee „Was einer sucht, das findet er“ vorgestellt. Die Geschichte war flotter, als der etwas behäbige Titel befürchten ließ. Temporeich, witzig, heiter – so brachten die Hobbyschauspieler ihr Stück auf die Bühne des Becher-Kulturhauses. Dabei hatte es vor vier Wochen fast so ausgesehen, als ob die diesjährige Produktion platzen würde. Zwar ließ sich die Zusammenarbeit mit dem neuen Regisseur Sebastian Eggers sehr gut an, aber die mit dem neuen Hauptdarsteller leider nicht. Er strich vor vier Wochen die Segel. Aufgeben? Weitermachen? Schweren Herzens verließ Sebastian Eggers seinen Regieposten und sprang auf die Bühne. Er übernahm die Rolle des Balsaminow. Eine textreiche Rolle. „Der quasselt und quasselt und quasselt“, stöhnte Sebastian Eggers erleichtert nach der Premiere. Er hatte nicht nur das Textmaterial bewältigt, sondern auch den Spagat zwischen Regisseur und Schauspieler. Eggers hatte Schauspielregie am Mozarteum Salzburg studiert, damit konnte er auch als Schauspieler einiges in die Waagschale werfen. Er tat es jedoch, ohne seine Amateurkollegen an die Wand zu spielen. Sein Heiratsaspirant war tollpatschig, geldgierig und unerfahren, der seine Seelenlage in ein unbeholfenes „Verliebt! Zu Befehl!“ presste. Das Premierenpublikum hatte seinen Spaß an dieser Figur, aber auch an den anderen Personen des Stückes. Christina Sellenthin gab nicht nur Balsaminows Mutter, sondern als sehenswerte Miniatur auch die leicht beschränkte Zofe Chimka. Intelligenzgefahr bestand allerdings bei keiner der Rollen, die Ostrowski für seine Kleinstadtgesellschaft zu Papier gebracht hatte. Ingo Kuschminder verlieh dem windigen Offizier Tschebakow Züge in leichter Mafiamanier, Katja Bremer – in früheren Produktionen Souffleuse des Theater s – gab die neugierige Köchin Matronja, Regina Bieler fiel die schwere Aufgabe zu, eine dumme, dicke, pottlangweilige Witwe zu spielen. Da hatten Anke Gutendorf und Katharina Kusch optisch andere Herausforderungen zu bestehen: Sie gaben das attraktive, mannstolle Schwesternpaar Anfissa und Raissa auf frische, dummdreiste Weise. Zwischen allen agierte Steffi Schieferdecker, Gast von der Neuruppiner Theaterbühne; sie überzeugte als verschlagene Heiratsvermittlerin Krassawina, die aus der Gier ihrer Theater Mitmenschen Kapital zu schlagen weiß. Die Rollen waren ein bisschen dick aufgetragen, ohne dass aus dem Stück eine Klamotte wurde. Alles blieb heiter und geistreich. Das honorierte auch das Publikum. Der Glücklichste an diesem Abend aber war der Beleuchter. Der 80-jährige Dietrich Groß war für diese Rolle angelernt worden und bewältigte sie fast makellos. Der Regisseur hatte das Theater seit 1969 geführt und bemüht sich seit Jahren um einen Nachfolger auf dem Regiestuhl. Mit Sebastian Eggers und Katharina Kusch als Co-Regisseurin hat es bei „Was einer sucht, das findet er“ geklappt. Für Dietrich Groß die beste Botschaft des Abends.